Cellular Performance

Verena Friedrich

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Künstlerische Forschung, Video-Installation | 2010 – 2012

Ausgehend von der Werbesprache der Pflegemittelindustrie untersucht das Projekt CELLULAR PERFORMANCE die wechselseitigen Beziehungen von Sprache und Körpermaterial.

Seit einigen Jahrzehnten ist ein gewisser Trend im Hinblick auf Körper- und Pflegeprodukte zu beobachten. Neben dem klassischen Kosmetikprodukt hat sich eine neue Produktgruppe etabliert: sogenannte »Cosmeceuticals« – Hybridprodukte zwischen Kosmetik und Arznei –, die einen medizinischen beziehungsweise wirkstoffähnlichen Nutzen versprechen. Beworben werden diese Produkte in einer Sprache, die auf wissenschaftliche und fachsprachliche Formulierungen zurückgreift und dabei an biotechnologische Machbarkeitsphantasien anknüpft. Die zellulären und subzellulären Dimensionen des Körpers in den Blick nehmend, beschwört die Marketingsprache seine Leistungsfähigkeit, Manipulierbarkeit und mögliche Verbesserung.

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Standbild aus einer mikroskopischen Zeitrafferaufnahme menschlicher und tierischer Hautzellen, welche die Buchstaben des Wortes “DNAge” formen (der Name eines kommerziell erhältlichen Kosmetikprodukts).

CELLULAR PERFORMANCE nimmt die Namen kosmezeutischer Produkte in den Blick, die den Nutzen der jeweiligen Ware knapp und überzeugend kommunizieren sollen. Dienen diese Produktbezeichnung einerseits als Instrument, um die totale Kontrolle biologischer Prozesse zu beschwören, entfalten sie andererseits doch ein ganz eigenes poetisches Potential, sobald man sie aus ihrem ursprünglichen Kontext herauslöst.

CELLULAR PERFORMANCE bedient sich dieser Terminologie und wendet sie direkt auf das biologische Material an, auf das sie sich bezieht. Hautzellen wurden im Labor manipuliert, sodass sie Buchstaben und Worte formen, welche die Heilsversprechen der kosmezeutischen Industrie »reinkarnieren«.
Über mehrere Monate hinweg wurden ausgewählte Hautzelllinien kultiviert und im Laufe zahlreicher Experimente dazu gebracht, in vorgegebene Mikro-Strukturen zu wachsen. Die ephemeren Ergebnisse wurden mittels »Live Cell Imaging« und Zeitraffer-Mikroskopie aufgezeichnet. Die finalen Videos dokumentieren den Versuch, das biologische Material unter Kontrolle zu bringen. Von Zeit zu Zeit formieren sich die Zellen zu lesbaren Begriffen, welche sich bald darauf wieder auflösen. Zwar lässt sich das Zellmaterial bis zu einem gewissen Grad kontrollieren, doch auf den meist kurzen Moment der erfolgreichen Stabilisierung folgt Unordnung und Zerfall.

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Von links oben nach rechts unten: Entnahme der Zellen aus dem flüssigen Stickstoff / Vorbereitung der Nährlösung / Zentrifugieren der Zellen / Herstellung der Textvorlage im Reinraum für Mikrofabrikation / Entnahme eines Silizium-Masters / Beschichtung des Silizium-Masters zur späteren Belichtung mit den Textmustern / Abgießen des Silizium-Masters mit flüssigem Silikon / Silikon-Stempel, welche die mikroskopisch kleinen Textmuster enthalten.

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Entwickelt in Zusammenarbeit mit:
• SymbioticA – Centre of Excellence in Biological Arts, University of Western Australia (UWA), Perth, Australien
• Microelectronics Research Group, UWA, Australien
• Centre for Microscopy, Characterisation and Analysis, UWA, Australien
• Laboratory of Stem Cell Bioengineering (Dr. Adrian Ranga), EPF Lausanne, Schweiz

Gefördert von:
• Kunststiftung NRW
• Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
• Kunsthochschule für Medien Köln (KHM)
• Goethe-Institut Sydney, Australien
• Fremantle Arts Centre und Stadt Fremantle, Australien
• SuSoS AG, Dübendorf, Schweiz
• Besonderen Dank an Hackteria

Website Verena Friedrich: www.heavythinking.org