Verdichtung | Densification

Sonderschau der KHM auf der ART COLOGNE – 46. Internationaler Kunstmarkt
Eröffnung: Dienstag, 17. April, 17 Uhr, Ausstellungsdauer: 18. bis 22. April 2012
Koelnmesse, Eingang Süd, Passage 3/11

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Fungifiction | Laura Popplow und Tine Tillmann

Seit 1997 ist die Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) regelmäßig mit einer Ausstellung auf der ART COLOGNE zu Gast. 2012 richtet sich unter dem Titel „Densification“ der Fokus auf Aspekte und Methoden der Verdichtung. Die künstlerischen Positionen in der von Prof. Ute Hörner/Mathias Antlfinger und Heike Ander kuratierten Ausstellung mit aktuellen Werken von Studierenden und Absolvent_innen der KHM reichen von konzeptuellen Ansätzen bis zu biopoetischer künstlerischer Forschung.

Mit Arbeiten von:

Céline Berger, Maribel Chávez, Minjung Cho, Fabian Driehorst & Frédéric Schuld, Vera Drebusch & Allan Gretzki, Soso Dumbadze, Karen Elliot, Verena Friedrich, Jan Goldfuß, Sunjha Kim, Alfons Knogl, Henning Frederik Malz, Laura Popplow & Tine Tillmann, Johannes Post, Gerald Schauder, Andreas Wißkirchen

In Céline Bergers Videovortrag wird ein Verfahren zur Effizienzsteigerung auf einen Gegenstand angewandt, der sich eben dieser Logik entzieht. Der Vortrag findet täglich um 16 Uhr im Blauen Salon statt. Ein Stück konkrete Poesie ist Vera Drebuschs indirektes Selbstportrait “Inventur: Allan T. Gretzki – The Labelmaker/Property of Vera Drebusch”, das sie in einer täglichen Performance (14 Uhr) auf die Bühne bringt. Eine ganz andere Form der Intimität berühren die großformatigen Graphitzeichnungen von Maribel Chávez, in denen Körper wie durch eine unsichtbare Hand manipuliert werden. TV-Mitschnitte großer politischer Ereignisse in Georgien von 2003 bis 2008 verdichtet Soso Dumbadze in “Parallelen zu einem Krieg” zu einer raumgreifenden Mehrkanal-Videoinstallation.
Bezieht sich eine Reihe der Arbeiten auf gesellschaftliche, politische und mediale Prozesse, so ist die Betrachtung der Natur und die Suche nach den verbindenden Mustern ein zentraler Aspekt in den Arbeiten von Sunjha Kim, Andreas Wißkirchen und Alfons Knogl. In “The Volume of the Shell” arbeitet Knogl mit Materialien und Fundstücken, die zwischen Morphologie und Artefakt oszillieren. Sunjha Kims Video über den Zischlaut “[?]” spielt mit extremen Kameraperspektiven und verblüffenden visuellen Transformationen, in denen die Zeit abwechselnd komprimiert und gedehnt erscheint. Mit der Natur innerer Wahrnehmungsprozesse beschäftigt sich dagegen die konzeptuelle Arbeit von Minjung Cho. In ihrem Traum verschmelzen Personen, Gegenstände und Vorstellungen zu einem Moment. In Johannes Posts Arbeit wird die industrielle Form einer Spiegelreflexkamera aufgelöst und es entstehen Unikate, deren eigenartige Schönheit jede Sentimentalität vertreibt. Fabian Driehorsts und Frédéric Schulds 2-Kanal-Videoinstallation “Hohenpeißenberg” zeigt eine Hölle ohne Kontext, ein unendlicher Kreislauf des Fallens, Aufprallens, In-Flammen-Aufgehens, in dem sich ein Auto wieder findet.

Neben der Frage nach der Wirkungsmacht der Bilder geht es in der diesjährigen Ausstellung auch um das Initiieren von Prozessen, wie sie in BioArt, Open Source- und DIY-Bewegungen zum Tragen kommen. Auf mikroskopischer Ebene operiert Verena Friedrich in “Cellular Performance”. Im Labor formieren sich Zellen zu Begriffen aus der Schönheitsindustrie, die uns glauben machen wollen, dass der zutiefst defizitäre Körper durch Kosmetik bis ins Innerste korrigiert werden kann. In ihrer rhizomatischen Installation “Mycophilia” erzählen Laura Popplow und Tine Tillmann die Geschichte eines zur Weltherrschaft wuchernden, heilkräftigen Pilzes und entwerfen damit ein spielerisch-aktionistisches Gegenmodell der Globalisierung.
In Henning Frederik Malz’ Found-Footage-Video “John’s Desire” geht es ebenfalls um einen universellen Anspruch, der im immer wiederkehrenden Motiv des Globus oder des Sternenhimmels zum Ausdruck kommt. Die Verdichtung und Ausdehnung schwarzer Materie in einem weißen Raum wird in Jan Goldfuß’ Computeranimation “EnTroPI” manifestiert. Zwischen Simulation, Transformation und Medienarchäologie bewegt sich Gerald Schauders Objekt “HRR23″, das auf ein Rollenbild von Hans Richter aus dem Jahre 1923 Bezug nimmt. Künstlerische Fragen nach der Autorschaft, der Institutionskritik und den Möglichkeiten subversiver Gegenstrategien verfolgt das Projekt “You Are Special” der multiplen Identität Karen Elliot und präsentiert einen per Facebook Abstimmung ausgewählten Gastkünstler.

Zur Ausstellung erscheint im Verlag der KHM eine Publikation, gestaltet von Studierenden des IN.D – Institute of Design, Düsseldorf, betreut von Bettina Erzgräber.

http://www.khm.de/art/artcologne/
http://www.khm.de/en/news/photo-gallery/art-cologne/